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27.06.2016 | 6. Weltkongress gegen die Todesstrafe in Oslo - Ein Bericht unseres Vereins

Vom 21. - 23. Juni 2016 fand der 6. Weltkongress gegen die Todesstrafe in Oslo statt und unsere Vereinsvorsitzende Gabi Uhl hat die Initiative gegen die Todesstrafe e.V. dort vertreten.

(gu) In Oslo ging am Donnerstagabend der 6. Weltkongress gegen die Todesstrafe zu Ende. Rund 1300 Teilnehmer aus über 80 Ländern reflektierten zweieinhalb Tage lang die weltweite Situation der Todesstrafe und Möglichkeiten der Abschaffung. Zahlreiche Regierungsvertreter, Diplomaten und Delegierte unterschiedlichster Nationen waren ebenso anwesend wie Akademiker, Juristen, Anti-Todesstrafe-Aktivisten zahlreicher bekannter Menschenrechtsorganisationen, ehemalige Todestraktinsassen usw. Ausgerichtet wurde der Kongress wie in den Jahren zuvor von der französischen Gruppe Ensemble Contre la Peine de Mort, in Zusammenarbeit mit der World Coalition against the Death Penalty. Letztere ist eine Dachorganisation, die über 150 Anti-Todesstrafe-Gruppen weltweit vernetzt und bei dem ersten Weltkongress vor 15 Jahren ins Leben gerufen wurde.
 
Vor allem die Eröffnungs- sowie die Abschlussveranstaltung waren gekennzeichnet durch die Teilnahme hochrangiger Vertreter der politischen Bühnen weltweit, die sich geschlossen für die Abschaffung der Todesstrafe aussprachen. Obwohl diese ultimative Strafform mit Ausnahme von Weißrussland in Europa komplett abgeschafft ist, waren die führenden Köpfe oder Vertreter der Außenministerien von u.a. Gastgeberland Norwegen, von Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz anwesend, um den weltweiten Kampf gegen die Todesstrafe zu unterstützen. Es darf die Frage gestellt werden, weshalb man vergeblich nach Vertretern aus Deutschland sucht auf dieser Plattform. Wer nicht anwesend sein konnte, aber dennoch im Thema des Kongresses ein Herzensanliegen sah, übermittelte zumindest eine Videobotschaft, so u.a. Papst Franziskus sowie Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu.
 
Die in der Schlussveranstaltung verlesene und gemeinsam beschlossene Erklärung der Kongressteilnehmer hebt positiv hervor, dass die weltweite Abschaffung voranschreitet und inzwischen fast drei Viertel aller Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft haben, seit dem letzten Weltkongress in Madrid vor drei Jahren immerhin weitere sechs Staaten. Darüber hinaus wollen weitere Länder im Dezember bei der nächsten Abstimmung der Vereinten Nationen für ein Moratorium stimmen; und selbst in den USA ist die Unterstützung der Todesstrafe rückläufig. Die Kongressteilnehmer äußern sich aber auch besorgt und kritisch, weil immer noch 58 Länder an der Todesstrafe festhalten, weil der internationale Terrorismus manche Staaten dazu verleitet, darauf mit Hinrichtungen zu reagieren, und weil manche Staaten die Todesstrafe nach längeren Hinrichtungsstopps wieder aufgenommen haben. Darüber hinaus wird z.B. kritisiert, dass durch Drogenhilfsprogramme Staaten finanziell unterstützt werden, die die Todesstrafe für Drogendelikte vorsehen. Die Erklärung mündet in 25 konkrete Appelle und Forderungen, gerichtet an Staaten, Politiker, Anwälte, Organisationen und Aktivisten, die Schritte auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel der weltweiten Abschaffung der Todesstrafe markieren.

HIER finden Sie einige Impressionen des Weltkongresses!

Zahlreiche Dokumente der verschiedenen Redner sind in der Website des 6. Weltkongresses veröffentlicht.

Weitere Informationen - auch rund um die Todesstrafe - finden Sie unter DIESEM Link!

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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