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05.09.2016 | Welttag gegen die Todesstrafe: Nie wieder Auge um Auge

Am 10. Oktober 2016 ist der Welttag gegen die Todesstrafe. Landbote-Autorin Ursula Wöll denkt an ihren Brieffreund Arthur, der in einer Todeszelle in den USA  sitzt.

„Sad Smile“
Ein Sommertag, wie er im Buch steht. Ich denke an meinen Brieffreund Arthur, der all diese Pracht der Natur nicht genießen kann. Seit vielen Jahren sitzt er in der Todeszelle einer texanischen Death Row. Am 10. Oktober steht der „Welttag gegen die Todesstrafe“ an, der auch vom Europarat  zum „Europäischen Tag gegen die Todesstrafe“ erklärt wurde. Also zwinge ich mich, etwas zum schrecklichen Thema „Todesstrafe“ zu schreiben.
Arthur hat sich in all den Jahren in der Todeszelle zu einer intellektuellen und sensiblen Persönlichkeit entwickelt. Nach dem jahrelangen Briefwechsel mit ihm bin ich überzeugt, dass er ein „wertvolles“ Mitglied der Gesellschaft abgeben würde, ließe man ihn frei. Wie hält man all die Jahre auf wenigen Quadratmetern aus?  Für mich unbegreiflich, dass Arthur nur selten  depressive Anwandlungen preisgibt, er setzt dann in Klammern die Bemerkung „Sad Smile“ hinter den einen und anderen Satz.

Zu meinem kürzlichen Geburtstag bekam ich von ihm einen langen Brief und sechs Tage hintereinander jeweils eine bunte Briefkarte mit Wünschen. Zum Ausgleich dafür, dass er nicht persönlich mitfeiern konnte. Das tat mir gut. Nebenbei bemerkt müssen ihn die schönen Karten viel Geld gekostet haben, denn alles ist in dem ihm zugänglichen Kiosk überteuert. Ja, er ist nun einfühlsam und achtsam gegenüber anderen, manche/r meiner hiesigen Bekannten könnte sich an ihm ein Schnippchen abschneiden. Das ihm zur Last gelegte Verbrechen geschah in seinen jungen Jahren, in einem anderen Leben sozusagen.

Die Angst des Verurteilten
Arthur ist Afroamerikaner, wie überdurchschnittlich viele der unzähligen Gefangenen in US-Gefängnissen. Sie sind arm, können sich nur weniger eloquente Anwälte leisten und hatten meist eine chaotische Kindheit mit einer oft überforderten Mutter.  Als Victor Hugo 1829 seine Erzählung „Der letzte Tag eines Verurteilten“ veröffentlichte, war das schon genauso. Hugo schrieb ein eindringliches Plädoyer gegen die Todesstrafe, indem er die Angst des Verurteilten in seinen letzten Lebenswochen und -stunden nachzuvollziehen versucht. Er lässt den Unglücklichen, der die Zeit nicht anhalten kann, in einem Monolog die letzten 6 Wochen in der Bicètre, dann den Transport zur Concierergie und zum Place Grève mit der Guillotine durchleben.

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Den vollständigen Artikel von Ursula Wöll können Sie unter diesem Link lesen!

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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