zurück zur Übersicht

04.06.2017 | In Pakistan, Indien und China sollen noch immer hingerichteten Gefangenen Organe zu Transplantationszwecken entnommen werden

Neben der Volksrepublik China, die noch immer als "Vaterland" gilt, wenn es um den illegalen Handel von Organen geht, soll auch in Pakistan und Indien der Schwarzmarkt für Organtransplantionen boomen. Die Organe sollen dabei hauptsächlich von exekutierten Gefangenen stammen.

Im Jahr 2005 hatten chinesische Beamte offiziell zugegeben, dass zu Transplantationszwecken die Organe exekutierter Gefangenen verwendet werden. Allerdings sollten diese Praktiken laut chinesicher Regierung eingestellt werden. Wie jedoch der Direktor des Chinesischen Komittees für Organspenden, Dr. Huang Jiefu gegenüber der medizinischen Zeitschrift "The Lancet" im Jahr 2013 mitteilte, wurden noch immer über 90 Prozent aller Organe für Transplantationen hingerichteten Gefangenen entnommen. Wie eine Reihe chinesischer Gefangener bezeugte, werden diese hinter Gittern für die Transplantationszwecke entsprechend medizinisch untersucht, ohne jedoch hierüber weiter aufgeklärt oder nach ihrer Zustimmung gefragt zu werden. Einer kürzlich veröffentlichten Studie Ethan Gutmanns, dem früheren kanadischen Politiker David Kilgour und des Rechtsanwaltes David Matas zufolge, soll China jährlich zwischen 60.000 und 100.000 Organtransplantationen durchführen. Eine Zahl, die um ein Mehrfaches die Anzahl freiwilliger Organspender übersteigt. 

Auf illegalen Organhandel spezialisierte Menschenrechtsorganisationen wie die Doctors Against Forced Organ Harvesting (DAFOH) aus Australien untersuchen seit geraumer Zeit diese Praktiken mit dem Ziel, diesen ein Ende zu setzen. Neben China sollen auch Indien und Pakistan Herkunftsländer für Organe zu Transplantationszwecken sein, die von hingerichteten Gefangenen stammen. Gesprochen wird bereits von einem "Organtourismus", da es sich keineswegs nur um einheimische Organempfänger handelt: So sollen Informationen der Australia & New Zealand Dialysis & Transplant Registry (ANZDATA) zufolge mindestens 55 Australier zwischen 2006 und 2015 für Nierentransplantationen ins Ausland gereist sein.

Rund 15.000 Dollar sollen die Patienten für eine Transplantation zahlen, während sich in den USA eine offiziell durchgeführte Nierentransplantation auf Kosten von rund 150.000 Dollar beläuft. Zwar müssen Patienten in anderen Ländern wie Australien oder Kanada die Kosten einer derartigen Transplantation nicht selbst tragen, doch sind die Wartezeiten in der Regel extram lang. Zu lang für Viele, die dementsprechend nach anderen Wegen im Ausland suchen. 

Sowohl Pakistan als auch China zählen im weltweiten Vergleich zu den Ländern, in denen jährlich am meisten Hinrichtungen durchgeführt werden. Da in China die Todesstrafe als Staatsgeheimnis behandelt wird, existieren lediglich Schätzungen über die Anzahl vollstreckter Todesurteile. Weitere allgemeine Informationen hierzu finden Sie auch in den Länderberichten "Pakistan" und "China" auf unserer Webseite in der Rubrik "Todesstrafe in der Welt".

Quelle und weitere Informationen:

"The ‘living dead’: prisoners executed for their organs then sold to foreigners for transplants", news.com.au vom 3. Juni 2017.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

zurück zur Übersicht