zurück zur Übersicht

17.05.2017 | Somalia: Rasanter Anstieg an Hinrichtungszahlen

In Somalia kam es im letzten Jahr durch die Militärgerichte wie auch durch die militante al-Shabaab Bewegung zu einem rasanten Anstieg an Hinrichtungen.

Sowohl die Militärgerichte als auch die islamistische al-Shabaab ließen im letzten Jahr jeweils ein Dutzend von Menschen exekutieren. Die Hinrichtungen sollen dabei in aller Öffentlichkeit, begleitet von 30 bis 300 Zuschauern vollstreckt worden sein.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International als auch Deligierte der Europäischen Union haben Somalias Regierung aufgrund dieser Entwicklungen dringend angehalten, ein Hinrichtungsmoratorium auszusprechen. 

Neben dem Anstieg an Hinrichtungen stieg auch die Anzahl ausgesprochener Todesurteile: Allein im April wurden erneut 11 Personen von Militärgerichten zum Tode verurteilt. Hierunter befanden sich neben vier Angehörigen der al-Shabaab auch ein Polizist und ein Soldat, welche beide wegen angeblichen Mordes an einer Zivilperson verurteilt wurden.

Menschenrechtsaktivisten kritisieren nicht nur den Anstieg an Hinrichtungen, sondern dass den durch Militärgerichte ausgesprochenen Todesurteilen keine fairen Prozesse folgen, die dem Angeklagten eine adäquate Möglichkeit zur Verteidung gewährleistet. Viele Fälle würden zudem gar nicht in die Gerichtsbarkeit der Militärgerichte fallen.

Besonderer Kritik unterlagen fünf Hinrichtungen, die am 8. April per Erschießungskommando in der teil-autonomen Region Puntland vollstreckt wurden. Laut Amnesty International waren alle fünf Männer, die wegen Mordes angeklagt worden waren zu jung, um als Erwachsene verurteilt zu werden. Zudem sei ihnen der Zugang zu anwaltlicher Verteidigung verweigert worden und sie sollen wie Familienangehörige berichteten, ihre Geständnisse unter Folter abgelegt haben. Die Jungen seien hierzu geschlagen und vergewaltigt worden und ihre Genitalien wurden elektrischen Schocks ausgesetzt und mit Zigaretten verbrannt.

Amnesty International fordert daher eine vollständige und unabhängige Untersuchung dieser entsetzlichen Foltervorwürfe. Das Militärgericht in Puntland bestritt die Vorwürfe angeblicher Folter als auch, dass Jugendliche hingerichtet worden seien. 

Quelle und weitere Informationen:

"Executions increase in Somalia", VOA vom 15. Mai 2017.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

zurück zur Übersicht