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10.01.2018 | Iran: Hinrichtungen wegen Lockerung des Drogengesetzes aufgeschoben

Am Dienstag gab das iranische Parlament bekannt, dass sämtliche aufgrund von Drogendelikten gefällte Todesurteile neu überprüft werden müssen und entsprechend geplante Hinrichtungen vorerst aufgeschoben werden.

Im November letzten Jahres hatte das iranische Parlament ein neues Drogengesetz verabschiedet, welches bei Drogendelikten nicht mehr die obligatorische Todesstrafe vorsieht.

Ali Larijani, Sprecher des iranischen Parlaments, gab in Folge dessen am Dienstag bekannt, dass sämtliche wegen Drogendelikten gefällte Todesurteile neu überprüft und verhandelt werden müssen. Bereits geplante Hinrichtungen werden der iranischen Nachrichtenagentur ISNA zufolge entsprechend aufgeschoben.

Offiziellen Statistiken zufolge, befinden sich derzeit 4000 Gefangene in iranischen Todestrakten, die wegen Drogendelikten zum Tode verurteilt wurden. Das iranische Parlament wie auch Parlamentssprecher Ali Larijani, hatten die Todesstrafe für Drogendelikte jahrelang befürworte, da der Drogenhandel für den Tod tausender junger Menschen verantwortlich sei. 2016 zeigte jedoch eine Studie, dass trotz der hohen Hinrichtungszahlen die Menge und Arten geschmuggelter Drogen im Iran gestiegen sind.

Derzeit berät das iranische Parlament noch über die alternativen Strafmaße bei Drogendelikten. Delinquenten wie Drogenbosse sollen weiterhin mit dem Tod bestraft werden, während bei Kleindealern Freiheitsstrafen ausgesprochen werden sollen.

Der Iran zählt weltweit zu den Nationen, die jährlich am meisten Todesurteile aussprechen und vollstrecken. Mindestens 543 Personen wurden im Verlauf des letzten Jahres hingerichtet. Hinrichtungen finden im Iran sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Geheimen statt. Weitere Informationen hierzu finden Sie in dem Kurzbericht "Die Todesstrafe im Iran" auf unserer Webseite.

Quelle und weitere Informationen:

"Iran suspends executions after relaxing law on drug offences", Independent vom 10. Januar 2017.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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