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19.03.2018 | Iran: Jahresbericht zur Todesstrafe veröffentlicht

Die Nichtregierungsorganisation „Iran Human Rights“ (IHR) hat in Kooperation mit der "Ensemble contre la peine de mort" (ECPM) den 10. Jahresbericht zur Todesstrafe im Iran veröffentlicht. Diesem zufolge bleibt der Iran mit mindestens 517 Exekutionen im Jahr 2017 weiterhin die Nation weltweit mit der höchsten Pro-Kopf-Hinrichtungsrate.

Dem Jahresbericht zufolge wurden in der islamischen Republik im Jahr 2017 ähnlich viele Personen hingerichtet wie im Vorjahresvergleich. Eine positive Wende wurde durch das neu eingeführte und im November 2017 verabschiedete Drogengesetz beobachtet: So wurden im letzten Jahr 22 Prozent weniger wegen Drogendelikten verurteilte Gefangene hingerichtet als im Vorjahresvergleich. Zudem wurden seit Inkrafttreten der Gesetzesreform keine weiteren Hinrichtungen aufgrund von Drogendelikten bekanntgegeben.

Zugleich stieg jedoch die Anzahl an wegen Mordes zum Tode verurteilten und exekutierten Personen, so dass die jährliche Hinrichtungszahl insgesamt nicht zurückgegangen ist: Im Schnitt findet damit im Iran weiterhin täglich mindestens eine Hinrichtung statt. Empörung bei den beiden Menschenrechtsorganisationen rief auch die Tatsache aus, dass weiterhin minderjährige Straftäter exekutiert wurden.

Weitere wichtige Fakten des Jahresberichtes kurz zusammengefasst:

  • 111 (21%) Hinrichtungen wurden offiziell bekanntgegeben und durchgeführt
  • 406 (verbliebene 79%) wurden nicht offiziell bestätigt und angekündigt
  • Mindestens 240 Menschen wurden wegen Mordes exekutiert - 98 mehr als im Vorjahr 2016
  • Mindestens 231 Menschen wurden aufgrund von Drogendelikten hingerichtet - 65 weniger als 2016
  • 31 Hinrichtungen wurden in der Öffentlichkeit durchgeführt
  • Mindestens zehn Frauen wurden exekutiert
  • Mindestens 254 Hinrichtung in 2017 und mehr als 3400 Hinrichtungen seit 2010 basierten aufgrund von Verurteilungen durch das sog. Islamische Revolutionsgericht (Anm.: Ein Gericht, das sich mit Fällen befasst, in denen vermeintlich die Regierung gestürzt werden sollte)
  • Mindestens 221 Todeskandidaten wurde von Seiten der Opferfamilien vergeben

IHR wie auch ECPM fordern daher vehement, dass die iranische Regierung sich an ihre Verpflichtungen durch die internationalen Menschenrechtsverträge hält und die Hinrichtung von Minderjährigen unverzüglich stoppt. Ebenso vehement wurde die Willkürlichkeit der Gerichtsentscheidung und das Fehlen von Prozesstandards kritisiert. Auch an die EU wurde appelliert, sich weiterhin für die Abschaffung der Todesstrafe im Iran auf politischer Ebene einzusetzen.

Weitere allgemeine Informationen zur Todesstrafe im Iran finden Sie auch in dem Kurzbericht "Die Todesstrafe im Iran" auf unserer Webseite.

Quelle mit ausführlichem Bericht und kompletter Download Möglichkeit: https://iranhr.net/en/articles/3258/
(13.03.2018, Iran Human Rights und ECPM)

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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