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16.09.2018 | Mississippi: Nach 16 Jahren verlässt Jeffrey Harvard den Todestrakt

Jeffrey Harvard hat nahezu 16 Jahre seines Lebens im Todestrakt von Mississippi für ein Verbrechen verbracht, dessen Existenz vom damaligen Pathologen angezweifelt wurde.

Freitag ordnete Adams County Bezirksrichter Forrest A. Johnson an, Harvard aus dem Todestrakt zu entlassen; die Zweifel an seiner Schuld sind zu groß. Die damals sechs Monate alte Chloe Madison Britt soll durch das sog. „Shaken Baby Syndrom“, ein Schütteltrauma, zu Tode gekommen sein, so im Prozess 2002 der damalige Pathologe Dr. Steven Hayne zunächst. Doch später nahm er seine Aussage zurück mit dem Argument, dass es eine „zunehmende Beweislage“ gäbe, die seine ursprüngliche Aussage möglicherweise inkorrekt werden ließe. Denn ein Schütteltrauma allein verursache nicht die Schäden, die bei dem Baby vorgelegen haben.

Jahrzehntelang war das Schütteltrauma bei Babys weitläufig akzeptiert, diagnostiziert durch die Symptomentrias, die sich durch eine Subduralblutung, eine Einblutung in die Retina und eine Gehirnschwellung bemerkbar macht. Doch es kamen immer mehr Zweifel auf, ob dies als wirklich sicherer Beweis für eine Gewalttat gelten kann.

Dr. Michael Baden nahm sich den Autopsiebericht und weiteres Material von Britt noch einmal vor und fand keine hinreichenden Beweise für ein Schütteltrauma. Doch er geht nach wie vor von einer Gewalttat aus, kann aber zu den genauen Umständen keine Aussagen tätigen.
Ein Sexualdelikt schließt er ebenfalls aus, DNA Tests haben dies gezeigt.
Doch die Jury damals hatte die entlastenden Beweise nicht erhalten und verurteilte Harvard wegen eines Kapitalverbrechens.

Quelle mit ausführlichem Bericht:
https://eu.clarionledger.com/story/news/2018/09/14/after-16-years-jeffrey-havard-off-mississippis-death-row/1296190002/
(14.09.2018, Jerry Mitchell)

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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