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28.08.2018 | Wie ist es, einen Todeskandidaten rechtlich zu vertreten - und ihm beim Sterben zuzusehen?

Der australische Anwalt Richard Bourke, der 16 Jahre lang Todesstrafenfälle in den USA übernommen hat und diejenigen vertritt, die arm sind, spricht über seine Erfahrungen mit der Todesstrafe und den zum Tode verurteilten Menschen.

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Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 sind nahezu 1500 Menschen hingerichtet worden und Tausende von Häftlingen bevölkern die Todestrakte der Vereinigten Staaten von Amerika.
Bourke sagt, die überwiegende Mehrheit derer, die auf ihr Todesurteil warten, sind arm und meistens afroamerikanischer Abstammung.
Es sei auch kein Zufall, so Bourke, dass sich die Jury in solchen Prozesses fast ausschließlich aus weißen Juroren zusammensetzt.

„Die große Lüge der Todesstrafe, und es ist eine, die immer wieder besonders von Staatsanwälten angeführt wird, die sehr von der Todesstrafe überzeugt sind, ist die, dass sie den Opferfamilien weismachen wollen, dass sie es ihren Angehörigen schuldig seien, dass sie ihre Lieben „fallenlassen“ würden, wenn sie kein Todesurteil befürworten würden. Die Todesstrafe würde ihnen Genugtuung bringen."
Das allerdings habe Bourke selbst nie erlebt.

Er beschreibt den Fall von Chuck, der wegen Mordes an drei Menschen und wegen versuchten Mordes einer vierten Person vor Gericht stand. Eines der Opfer war eine 17-Jährige, deren letzte Worte „Bitte erschieß mich nicht, ich bin schwanger“ waren. „Dies war eine unfassbar grausame Tat“, gab Bourke zu.
Aber im Vorfeld des Prozesses kam heraus, dass Chuck zum Tatzeitpunkt unter starkem Drogeneinfluss stark und unter Halluzinationen litt.
Nachdem ihm klar wurde, was für Ausmaße seine Tat hatte, war es ihm sehr wichtig, seine Reue deutlich zu machen. Einige der Opferfamilien sprachen sich dann gegen ein mögliches Todesurteil für ihn aus, was rechtlich wirksam im Sinne der Verurteilten sein kann.
Doch die Mutter des schwangeren Opfers konnte sich nicht dazu überwinden, sich für ihn einzusetzen. Richard Bourke und sein Team boten der Mutter an, sich mit Chuck zu unterhalten und sich erneut Gedanken zu machen.
Nachdem sie sich tatsächlich dazu entschloss und eine Stunde mit ihm verbrachte, hatte sich ihre Ansicht geändert. Sie verabschiedete sich mit einer Umarmung von Chuck und versprach, ihn zu unterstützen. „Ich möchte nicht, dass er die Todesstrafe erhält, ich möchte nicht mal, dass er lebenslang hinter Gitter muss. Ich wäre mit einer langjährigen Haftstrafe zufrieden“, so ihre Aussage gegenüber dem damaligen Bezirksrichter.

Richard Bourke ist ein strikter Gegner der Todesstrafe und leitet das „Louisiana Capital Assistance Center“ in New Orleans, eine gemeinnützige Anwaltskanzlei.

Quelle mit ausführlichem Bericht und weiterführenden Informationen/Links:

http://www.abc.net.au/news/2018-08-28/richard-bourke-death-row-lawyer/10152880
(27.08.2018, Ann Kelsey-Sugg, Paul Barcley)

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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