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10.05.2019 | Alabama: Anthony Ray Hinton fand seine Bestimmung im Todestrakt, doch wir sind dafür verantwortlich, das System, das ihn hinter Gitter brachte, zu reparieren

Anthony Ray Hinton verbrachte 28 Jahre im Todestrakt für zwei Raubmorde in den 80er Jahren, die er nicht begangen hat. Er stellte sein mittlerweile ausverkauftes Buch vor und stellte sich anschließend in einer Diskussionsrunde den Fragen der Medien und teilnehmenden Personen.

Der mittlerweile 62-Jährige berichtete über seinen Fall, welch Unrecht ihm geschehen ist. Keine Zeugen, keine Fingerabdrücke, keinerlei physische Beweise, die ihn mit der Tat in Verbindung hätten bringen können.
Ein Opfer eines dritten Angriffsversuch überlebte und wählte Hinton aus von der Polizei vorgelegten Fotos als seinen Angreifer aus. Tatsächlich aber war Hinton bei der Arbeit 15 Meilen entfernt, als es passierte.
Die Waffe, von der die staatlichen Waffenprüfer sagten, dass sie in den Morden verwendet wurde, gehörte Hintons Mutter, und sie war seit 25 Jahren nicht mehr abgefeuert worden.
Dies und weitere Ungereimtheiten bewahrten ihn aber nicht vor dem damals gefällten Todesurteil.

Jeder zehnte Häftling, der heute in der Todeszelle sitzt, könnte auch unschuldig sein.
Die Todesstrafe wurde 1976 wieder eingeführt. Seitdem wurden 1465 Männer, Frauen und Kinder von der Bundesregierung und den einzelnen Staaten getötet, heißt es in einem Bericht der Equal Justice Initiative, die von Bryan Stevenson, der mehr als ein Jahrzehnt lang als Anwalt gearbeitet hat, um Hintons Unschuld zu beweisen, gegründet wurde.

Aber seit 1973 wurden 165 Häftlinge aus der Todeszelle entlassen, so die Daten des Death Penalty Information Center.
Im Jahr 2014 beschloss der Oberste US-Gerichtshof einstimmig, die Verurteilung von Hinton aufgrund der schlechten Leistung seines Anwalts aufzuheben, und ordnete einen neuen Prozess an. Bevor das passieren konnte, wies ein Richter eines niederen Gerichtes den Fall sofort zurück.

Hinton verließ das Gefängnis am 3. April 2015.
"Die Sonne scheint", sagte er, als er zum ersten Mal in den drei Jahrzehnten, die ihm genommen worden waren, als freier Mann nach draußen trat. Diese Zeile dient als Titel seiner gleichberechtigten, verstörenden und inspirierenden Memoiren.

Quelle mit ausführlichem Bericht:
https://www.seattletimes.com/seattle-news/anthony-ray-hinton-found-his-calling-on-death-row-but-its-our-job-to-fix-system-that-sent-him-there/
(06.05.2019, Tyrone Beason)

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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