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11.02.2019 | Kolumne: Friednash - Erst half ich, die Todesstrafe in Colorado auszubauen, nun unterstütze ich die Abschaffung

Doug Friednash ist gebürtiger Einwohner Denver’s, Partner der Anwaltskanzlei Brownstein Hyatt Farber and Schreck und ehemaliger Stabschef von Gov. John Hickenlooper. In der Denver Post verfasste er folgende Kolumne zum Thema Todesstrafe:

Als demokratischer Frischling im Haus unterstützte ich vor 25 Jahren die Gesetzgeber, die Todesstrafe auszuweiten und voranzutreiben. Ich lag damals falsch.

Meine Karriere hat mich auf unerwartete Weise mit den Hinrichtungen in Colorado und den Todestraktinsassen in Verbindung gebracht. Letztendlich hat sich meine Meinung geändert, als ich die Fehler eines Systems gesehen habe, das mindestens einen unschuldigen Menschen getötet hat; das bestenfalls mit Inkonsistenz und am schlimmsten mit Vorurteilen angewendet wurde und Millionen von Steuergeldern verschwendet hat.

Die Todesstrafe fungiert nicht als abschreckendes Mittel. Colorado hat in den letzten 50 Jahren  nur einen einzigen Menschen hingerichtet - Gary Lee Davis. Im July 1986 haben David und seine Frau ihre Nachbarin Virginia May vor den Augen ihrer Kinder entführt und sie an einen einsamen Ort gefahren, wo sie dann vergewaltigt und erschossen wurde.

Ich war Staatsanwalt im Colorado Attorney General's Office und arbeitete in der Strafprozessabteilung. Mein Kollege Bob Petrusak hatte Jahre damit verbracht, Davis zu verfolgen. Meine Neugierde war geweckt und ich bot an, juristische Recherchen durchzuführen. Als ich die Rechtsgrundlagen studierte, die die Anwendung der Todesstrafe rechtfertigten, war ich erstaunt über die Tatsache, dass mehrere Morde während derselben kriminellen Episode noch kein Anlass dazu waren, ein Todesurteil zu verhängen.
Es dauerte ein Jahrzehnt voller kostspieliger staatlicher wie auch bundesgerichtlicher Anträge und Berufungen, bevor Davis schließlich hingerichtet wurde. Kosten, die die Steuerzahler zu tragen hatten.

Einige Jahre später, als ich in die Legislative gewählt wurde, wandte ich mich an den Colorado Bezirksrat für Anwälte, um deren Unterstützung bei der Ausweitung der Todesstrafe für mehrere Morde zu bitten. Die Staatsanwälte waren nicht interessiert. Dies änderte sich im Dezember 1993 als der 19-jährige Nathan Dunlap vier Kollegen in einem Restaurant in Aurora tötete. Plötzlich wollte alle - inklusive der Bezirksstaatsanwälte - ein schnelles Vorankommen.
House Bill 94-1144, ein Gesetzesentwurf, den ich gesponsert habe, wurde schnell verabschiedet und um diesen Faktor als Grund für die Todesstrafe ergänzt. Das Gesetz galt nicht rückwirkend für den Fall Dunlap, aber der Teenager wurde von einer Jury in die Todeszelle geschickt.

20 Jahre später sind alle Berufungsmöglichkeiten Dunlap’s ausgeschöpft und er bittet den Gouverneur John Hickenlooper, sein Leben zu verschonen.
Hickenlooper erließ eine umstrittene Anordnung, die Dunlap einen unbefristeten Aufschub der Hinrichtung gewährte. Hickenlooper, der die Todesstrafe unterstützte als er zum Gouverneur gewählt wurde, nannte das Todesstrafensystem des Staates fehlerhaft und ungerecht. Er sagte, dass die Entscheidung zu einer landesweiten Diskussion über die Anwendung der Todesstrafe in Colorado führen würde.

Im Juli 2012 ging James Holmes während einer Mitternachtsvorstellung des Films „The Dark Knight Rises“ in ein Kino und tötete zwölf Menschen und 70 weitere wurden verletzt.
Nach einem sechsmonatigen Prozess, der die Steuerzahler in Colorado schätzungsweise 5 Millionen Dollar kostete, wurde er zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit einer Bewährung verurteilt. Die Jury wies Holmes' Verteidigung zurück, dass er wegen Wahnsinn nicht schuldig sei, aber die Geschworenen waren immer noch besorgt über die Schwere seiner Geisteskrankheit und sie konnten kein einstimmiges Urteil fällen.

Einige Monate später verhängte eine Jury aus Denver eine lebenslange Freiheitsstrafe im Prozess gegen Dexter Lewis in dem grausamen Tod von fünf Menschen in einer Bar in Denver im Jahr 2012. In weniger als drei Stunden lehnte eine zweite Jury die Todesstrafe ab.

Das Gesetz schreckte Holmes oder Lewis nicht ab. Die Jurys haben unseren Beamten mitgeteilt, dass es an der Zeit sei, die Todesstrafe abzuschaffen.

Lesen Sie hier die vollständige - englischsprachige - Kolumne, die am 1. Februar 2019 in "The Denver Post" veröffentlicht wurde!

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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