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26.03.2019 | USA: Präsidentschaftskandidaten für 2020 möchten die Todesstrafe abschaffen; Experten sagen, sie sollten größer denken

Zahlreiche demokratische Präsidentschaftskandidaten reagierten über die Internetplattform Twitter mit Enthusiasmus auf das von Gouverneur Gavin Newsom in Kalifornien verhängte Hinrichtungsmoratorium.

„Inspirierend!“ meinte Cory Booker, der die Todesstrafe „unmoralisch“ und „ineffektiv“ nennt. Senatorin Kamala Harris schrieb, die Todesstrafe sei „unmoralisch, diskriminierend, ineffektiv und hat gezeigt, dass sie ungleich eingesetzt würde“. Und Senator Bernie Sanders empfindet die Bekanntgabe des Moratoriums als „richtig gute Neuigkeiten“.

Die Beendigung der Todesstrafe ist eines der wenigen Themen, das die einstimmige Unterstützung der derzeitigen demokratischen Präsidentschaftskandidaten erhalten hat. Dies war nicht immer so.
Der ehemalige Präsident Bill Clinton, ein Anhänger der Todesstrafe während seiner Präsidentschaft, wurde während seiner Amtszeit als Gouverneur von Arkansas wegen der Hinrichtung von Ricky Ray Rector, einem psychisch kranken schwarzen Mann, scharf kritisiert. Der ehemalige Präsident Barack Obama nannte die Todesstrafe "zutiefst beunruhigend", unterstützte aber dennoch ihre Anwendung in den Vereinigten Staaten.

Erst im letzten Präsidentschaftskampf waren sich die Demokraten uneinig hinsichtlich des möglichen Todesurteils für den sog. Charleston Shooter Dylann Roof. Während Hillary Clinton die Todesstrafe befürwortete, war Bernie Sanders dagegen.
Es zeigt, wie dramatisch und schnell sich die Ansichten zu diesem Thema entwickeln. "Offensichtlich hat sich die ‚Politik des Todes‘ in den letzten 20 Jahren verändert", sagte John Blume, Direktor des Cornell Death Penalty Project.

Diejenigen, die die Politik ändern, sagte er, sind auf die steigenden Kosten für die Verurteilung von jemandem zum Tode, die Tausenden von unschuldig Entlassenen und Geschichten in den letzten Jahren über vermasselte Hinrichtungen zurückzuführen. "Ich bin mir nicht sicher, ob wir am Ende der amerikanischen Todesstrafe stehen, aber man kann die Ziellinie sehen", sagte Blume.

Experten sehen aber den falschen Fokus in dieser Diskussion. "Ich denke, dass mit der Aufmerksamkeit, die das von Gouverneur Newsom verhängte Moratorium erregt hat, fast ein Medienrummel über die Auswirkungen der Todesstrafe auf die Wahl 2020 stattgefunden hat", sagte Robert Dunham, der leitende Direktor des „Death Penalty Information Center“ (DCPI). “Ich liebe es, über die Todesstrafe zu reden, aber das wird die Wahlen nicht beeinflussen.“

Über alle Bundesstaaten hinweg sitzen laut DPIC 2738 Häftlinge in den Todeszellen, nur 63 in Bundesgefängnissen, was einen geringen Anteil von zwei Prozent der zum Tode Verurteilten ausmacht.
Kalifornien hat 737 Todeskandidaten in den Haftanstalten, Florida 353, Texas 232 und Alabama 185. "Ein Bundesmoratorium ändert nichts", sagte Dunham. "Die Todesstrafe ist weitgehend ein Geschöpf des staatlichen Rechts.“

Quelle mit ausführlichem Bericht:
https://thinkprogress.org/2020-democrats-death-penalty-policy-c64c33c805a1/
(22.03.2019, Addy Baird)

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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