Opferfamilien

“Die Todesstrafe ist keine Lösung;

sie dreht nur weiter an der Spirale der Gewalt,
die auch schon meinen Sohn getötet hat.
TINA CHERY,
deren Sohn Louis in Massachusetts, USA, getötet wurde

In der ganzen Welt wird angenommen, die Familienmitglieder der Opferfamilien seien Befürworter der Todesstrafe. Exekutionen gelten als das Instrument, mit welchem vermeintlich für die Überlebenden der Gerechtigkeit und dem Bedürfnis nach einem Abschluss genüge getan wird.

Sich gegen die Todesstrafe auszusprechen, wird oftmals als ein Affront gegen die Opfer aufgefasst. Aber ist das auch so? Während sich einige Opferfamilien tatsächlich für die Todesstrafe aussprechen, gibt es auch einige, die das anders sehen.

Auch kann sich die Einstellung der Angehörigen von Opferfamilien zu diesem Thema mit der Zeit ändern. Opferangehörige, die sich gegen die Todesstrafe aussprechen, kommen durch eine Mischung aus Erfahrung, Einstellung und Glauben zu dieser Einschätzung.

“Was bringt uns der Tod des Mörders schon Gutes?

Bringt er uns unsere Tochter zurück?

Die Todesstrafe ist Mord der schlimmsten Sorte: kalt, geplant, berechnend.”

HECTOR BLAKE,
dessen Tochter in Georgia, USA, ermordet wurde

Die Gründe für Opfer, sich gegen die Todesstrafe auszusprechen, beinhalten eventuell auch die Tatsache, dass die Todesstrafe nur eine Ablenkung von den wahren Bedürfnissen der Familien darstellt, die nach einem Mord aufkommen; viele würden es lieber sehen, wenn das Geld, welches in die Todesstrafe investiert wird, für Opferschutz und Opferhilfe, Gewaltprävention und Aufklärung ungelöster Morde aufgewandt würde.

Sie wollen mit dem Trauma des Mordes nicht durch den langwierigen Prozess immer und immer wieder konfrontiert werden; manche glauben aus religiösen Gründen, dass es immer falsch ist, ein Leben zu nehmen, oder dass die Todesstrafe dem Leben und Verdiensten ihres geliebten Menschen nicht gerecht werden kann.

Auch wird angenommen, dass ihre Wunden nicht geheilt werden können, indem man einem anderen Menschen das Leben nimmt.

“Ich bin glühender Verfechter der weltweiten Abschaffung der Todesstrafe, weil ich nicht glaube, dass der Tod des Täters irgendjemanden hilft.

Die Opfer kommen so nicht schneller darüber hinweg, es wird tatsächlich mehr Leiden und Gewalt erzeugt, was einen Heilungsprozess noch verlangsamt.”

JO BERRY, deren Vater in England Opfer eines Bombenanschlags wurde


So haben sich im Laufe der Zeit Bewegungen wie die Murder Victims’ Families for Human Rights oder auch die “Journey of Hope” entwickelt, in denen sich Opferangehörige explizit gegen die Todesstrafe aussprechen.

Murder Victims’ Families for Human Rights beim Weltkongress gegen die Todesstrafe in Genf

“Wenn wir Mördern erlauben, dass sie uns zu Mördern machen, geben wir ihnen zu viel Macht. Sie siegen, indem sie uns ihren Weg zu denken und zu handeln eröffnen, und wir werden zu dem, das wir ablehnen.

RENNY CUSHING,
dessen Vater in New Hampshire, USA, getötet wurde

Quellen und weitere Informationen: