Welttag gegen die Todesstrafe – FRAUEN im Todestrakt – Teil 2: Tiffany Cole, Florida (USA)

FRAUEN in der Todeszelle:
Ungesehene Realität

Am 10. Oktober 2021 ist der 19. Welttag gegen die Todesstrafe den Frauen gewidmet,

die von einer Verurteilung zum Tode bedroht sind,

die ein Todesurteil erhalten haben,

die hingerichtet wurden, sowie

denen, deren Todesurteil umgewandelt oder wegen Unschuld aufgehoben wurde.

Tiffany Cole ist 39 Jahre jung und sitzt seit 13 Jahren im Todestrakt im US-Bundesstaat Florida. Sie ist dort eine von drei Frauen, die auf ihre Hinrichtung warten. Sie wurde im März 2008 zum Tode verurteilt. Tiffany war damals mit ihren 26 Jahren eine der jüngsten Frauen, die jemals zum Tode verurteilt wurden.

So wie viele andere Straftäter hat auch Tiffany eine schwierige Kindheit hinter sich. Im Kindesalter sexuell vom Vater missbraucht, suchte sie nach Liebe an falschen Orten und fand diese bei einem Kriminellen und beging mit ihm und zwei weiteren Männern einen Raub, der mit einer Entführung begann und in einem Doppelmord endete. Ihre Geschichte wurden medienwirksam für einige Dokumentarreihen verfilmt, wobei es dort eher um das grausige Darstellen der Tat geht und nicht den Menschen dahinter.

In einem Interview im Jahre 2015 für ABC News bekommt man ein wenig Einblick in Tiffanys Seele. Sie reflektiert ihr Leben und sagt: “I am not the same person anymore. I have peace, I have joy. I have a sound mind.” („Ich bin nicht mehr derselbe Mensch. Ich habe Frieden, ich habe Freude. Ich habe einen gesunden Verstand.“) Selbsthilfebücher und Religion haben alles für sie verändert. Sie glaubt an Vergebung und Hoffnung.

Diese Hoffnung kann sie auch im Bezug auf ihre Strafe haben, da 2008 die Geschworenen nicht einstimmig für die Todesstrafe stimmten. 2017 ordnete der Oberste Gerichtshof von Florida eine neue Urteilsanhörung für Tiffany an. Diese steht noch aus.

Auf unsere Anfrage, ob sie einen Beitrag zu unserem Projekt „Frauen im Todestrakt“ zu dem diesjährigen Welttag gegen die Todesstrafe am 10.Oktober 2021 beisteuern möchte, übersandte Tiffany uns eine von ihr gefertigte Kohlezeichnung und wollte dazu folgendes mitteilen: „Bei Gott ist nichts unmöglich! Und seine Liebe kann dich von innen heraus dauerhaft verändern.“

Ihre Kreation hat den Titel „Prayer & the Power of it“. Mit dieser Zeichnung möchte sie zeigen, wie kraftvoll Gebete sind und wie sehr sie uns verändern können. Die Macht der Gebete und die Liebe Gottes haben den Hass in ihr vertrieben.

Prayer & the Power of it – by Tiffany Cole, FL

Mehrere Frauen in den US-Todestrakten suchen über unsere Website nach Brieffreunden – so in Arizona (Sammantha U.), Kalifornien (Tanya N. und Cherie R.), Mississippi (Lisa C.) und North Carolina (Carlette P.).

Diana Koehler
Initiative gegen die Todesstrafe e.V.

7 Kommentare zu “Welttag gegen die Todesstrafe – FRAUEN im Todestrakt – Teil 2: Tiffany Cole, Florida (USA)”

7 thoughts on “Welttag gegen die Todesstrafe – FRAUEN im Todestrakt – Teil 2: Tiffany Cole, Florida (USA)”

  1. Tiffany Cole war die Drahtzieherin des damaligen Verbrechens: Sie kannte das Ehepaar, das später durch die Gruppe LEBENDIG begraben wurde. Und nur, WEIL Tiffany das Ehepaar kannte, ihr Vertrauen hatte, hat sie Zugang zu ihrem Haus gefunden. Es war eine grauenvolle Tat an Menschen, die Tiffany wohlgesonnen waren. Sie unterstützt haben, ihr vertraut haben. Unschuldige Menschen.

    Natürlich geht es in einer Dokumentation in den Medien darum- worum soll es denn sonst gehen? Um den Gerichtsprozess, in dem Tiffany um ihr Leben und „Mercy“ fleht – obwohl sie selbst keine Skrupel hatte?

    Dürftige Argumentation- egal, welche Kindheit jemand hatte… Vielleicht könnte man Mitgefühl haben, wenn sie selbst denn jemals welches gehabt hätte. Das hat sie allerdings auch vor Gericht nie erwähnt.

    1. Ich zitiere aus unserer Website:

      Die Mitglieder der Initiative gegen die Todesstrafe e.V. sind sich dessen bewusst, dass ein großer Teil der Häftlinge in den Todeszellen unermesslich schlimme Straftaten begangen hat, und wir wollen diese Tatsachen in keiner Weise verharmlosen.

      Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt den Opfern und ihren Angehörigen, und im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen wir Opferhilfsorganisationen. Wir sehen jedoch auch in einem Straftäter immer noch den Menschen, dessen Straftat allein nicht seine gesamte Person ausmacht.

      – Initiative gegen die Todesstrafe e.V. –

      1. Danke für das Zitat, obwohl die Informationen Ihrer Webseite ja bekannt sind. Darum ging es auch nicht. Sondern um die Aussage in dem Artikel „Ihre Geschichte wurden medienwirksam für einige Dokumentarreihen verfilmt, wobei es dort eher um das grausige Darstellen der Tat geht und nicht den Menschen dahinter.“
        Das klingt vorwurfsvoll. Und nur darauf war der Kommentar bezogen. Denn ich frage mich, was soll man sonst von einer Berichterstattung über einen derartigen Fall erwarten, in dem die Drahtzieherin auch vor Gericht keine Reue oder Mitgefühl gegenüber den Opfern zeigt? Sondern eben nur an sich denkt (und ihre Gnade).

        Den Menschen hinter einer Straftat zu sehen ist durchaus wichtig. Wäre nur schön, wenn der bzw. die Täterin auch die Menschen hinter den Opfern sieht. Wenn dies nicht so ist- wie es eben bei Tiffany Cole der Fall war- wird es schwierig mit dem Mitgefühl. Da dürfte man ein paar „mehr Zeilen“ ihrerseits erwarten – insbesondere, wenn diesen Zeilen so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

        Gerade, wenn es um die Todesstrafe und derartige Verbrechen geht. „Stimmen aus dem Todestrakt“, die Überschrift geht einem nahe. Aber dann sollte auch etwas kommen- in differenzierter Form.

        1. Liebe Frau Sinnhaus,

          da ich diesen Artikel verfasst habe, möchte ich mich dazu kurz äußern.
          Der Satz „Ihre Geschichte wurden medienwirksam für einige Dokumentarreihen verfilmt, wobei es dort eher um das grausige Darstellen der Tat geht und nicht den Menschen dahinter.“ ist von mir völlig neutral gemeint. Ich wollte damit nur darauf hinweisen, dass es Dokumentationen über den Fall von Tiffany Cole gibt. Aber das sich diese Dokumentationen eben „nur“ um den Fall selbst gehen und nicht wirklich um den Menschen „Tiffany Cole“. Das halte ich persönlich für eine medienwirksame Produktion, da nur eine Seite „beleuchtet“ wird. Es war kein Vorwurf, sondern lediglich eine Feststellung.

          Ich freue mich aber sehr, dass sie meinen Artikel gelesen haben und sich Gedanken dazu machen. Vielen Dank dafür. 🙂

          Liebe Grüße
          Diana Koehler

  2. Liebe Frau Sinnhaus,

    meiner Wahrnehmung nach kann man in den von Ihnen zitierten Satz über die Dokumentarfilme sowohl einen vorwurfsvollen Ton hineinlesen als auch ihn als neutrale Feststellung verstehen. Ob ein Vorwurf angebracht wäre, würde meiner Meinung nach wesentlich davon abhängen, zu welcher Zeit die jeweilige Doku erstellt wurde. War sie zeitnah an der Verurteilung und Tiffany hat bis zu dem Zeitpunkt keine Reue gezeigt, kann niemand den Filmemachern etwas vorwerfen.

    Ist eine Doku erst Jahre später entstanden, kann man schon erwarten, dass die Autoren der Doku sich auch mit der aktuellen Situation rund um Tiffany Cole auseinandersetzen. Also ein aktuelles Interview führen und jüngere Quellen ebenfalls berücksichtigen. Sie selbst sagt schließlich, dass sie sich sehr verändert habe und der Glaube in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt. Zum christlichen Glauben gehört, dass man bereut, was man im Leben falsch gemacht hat – ich halte es daher für durchaus nicht unwahrscheinlich, dass dies bei Tiffany der Fall ist.

    Dass sie während des Gerichtsprozesses keine Reue gezeigt hat, heißt nicht, dass sie noch immer keine empfindet. Bei meinem ersten Brieffreund war das genau so: Er hat sich erst in den Jahren im Gefängnis verändert und seine Taten aufrichtig bereut – aber eben nicht schon zur Zeit des Prozesses.

    Über einen anderen Brieffreund von mir gab es verschiedene Dokumentationen – sowohl eine, die ich als besonders gelungen und fair ansehe, als auch eine, der man deutlich anmerkt, dass die Interviewerin bereits mit Vorurteilen in das Gespräch gegangen ist und nicht für einen Moment in Erwägung gezogen hat, den Aussagen meines Brieffreundes Glauben zu schenken. Und das ist dann eben eine so reißerische Doku geworden, die nur den Voyeurismus der Zuschauer bedienen und nicht etwa der Person gerecht werden will, die man in meinen Augen nicht auf seine Tat reduzieren darf. Zumal, wenn die Tat über 20 Jahre zurückliegt, kann sich der Täter massiv verändert haben.

    Dass Straftaten einen manchmal nicht nur sprachlos, sondern sogar unglaublich wütend machen können, wenn man darüber hört und liest, das kenne ich gut aus eigener Erfahrung. Ja, und in diesen Momenten hält sich mein Mitgefühl auch in Grenzen. Aber im Kontakt mit der konkreten Person kann sich das anders darstellen meiner Erfahrung nach – was bei mir nicht dazu führt, deshalb die Taten zu verharmlosen oder zu entschuldigen. Aber es erweitert den Horizont im Hinblick sowohl auf mögliche Hintergründe als auch auf Weiterentwicklungen der Persönlichkeiten.

    Viele Grüße,
    Gabi Uhl

  3. Ich kannte einfach den Fall, der Tiffany Cole betrifft und ihre Aussagen vor Gericht, die ohne jegliche Reue, ohne Gedanken an die Opfer waren. Dokumentationen habe ich mir nie angeschaut, um ehrlich zu sein (sollte/müsste man das, um Beitrage von Ihnen verstehen zu können?). Der Grund, dass ich den Satz zitierte („Ihre Geschichte wurden medienwirksam für einige Dokumentarreihen verfilmt, wobei es dort eher um das grausige Darstellen der Tat geht und nicht den Menschen dahinter.“) war, dass es sich Ihrerseits eher als Erklärung/ Entschuldigung anhörte und ich mir diese dann doch lieber von der Täterin selbst erwünscht hätte und der Beitrag von Tiffany Cole selbst sehr nichtssagend für mich wirkt.
    Ja, mein vorwurfsvoller Ton kam richtig rüber. Da ich die Aussagen von Frau Cole, ihre „Beiträge“ zu dieser Rubrik („Stimmen aus dem Todestrakt“) eben als sehr dürftig finde.
    Ihre Argumente (bspw. „Dass sie während des Gerichtsprozesses keine Reue gezeigt hat, heißt nicht, dass sie noch immer keine empfindet.„) kann ich (bedingt) nachvollziehen. Aber ich finde nicht, dass man erwarten sollte, dass ein Leser Ihrer Beiträge sämtliche Dokumentationen sichtet und zusätzlich noch spekulieren und interpretieren sollte, ob die Täterin vielleicht eine mögliche Einsicht entwickelt hat. Mag sein, dass Frau Cole sich geändert hat und die Dinge- ihre (ja, sehr grausamen) Taten nun bereut. Mag auch nicht sein. Aber was hat das mit dem Beitrag zu tun?
    Ich werfe auch Filmemachern nichts vor, im Gegenteil. Ich finde es sogar menschlich sehr nachvollziehbar, dass es um die Opfer geht (insbesondere, wenn seitens Täters keine Reue geäußert wurde). Ich persönlich habe noch nie „öffentliche Reue“ von Tiffany Cole gehört- diese geht weder aus dem von Ihnen veröffentlichten Beitrag hervor, sonst ist es mir durch andere Medien bekannt (wie gesagt, ich bin aber auch keine „Dokumentationsspezialistin“). Was ich nicht einordnen kann, ist der konkrete Beitrag von Frau Cole und warum genau dieser hier veröffentlicht wird- was soll er aussagen?
    Mag sein, dass sie sich – wie sie in ihrem Kommentar (!!!- nicht aber Beitrag) schreiben, „verändert“ hat. Dennoch sind die von Ihnen vorgebrachten Zitate, bspw. dass der Glaube im Leben von Frau Cole eine wichtige Rolle spiele, nicht einleuchtend für mich. Konkret äußert sich Frau Cole nicht und der Rest ist einfach was er ist- Interpretation. Sie fügten selber hinzu: „…ich halte es daher für durchaus nicht unwahrscheinlich, dass dies bei Tiffany der Fall ist“. Dies alles sind Möglichkeiten, die niemand abstreiten kann. Aber umgekehrt auch niemand wissen kann und m.E. nicht Sinn eines Beitrages sind. Sonst müsste man sich bei jedem Beitrag fragen „was könnte der Täter/die Täterin bzw. Verfasser/-in sich dabei gedacht haben oder denken oder fühlen“- mir ist das ehrlich gesagt sehr weit hergeholt.
    Trotz all Ihrer Erklärungen weiß ich immer noch nicht, was der Sinn des Beitrages von Tiffany Cole sein soll und warum ihre Worte „veröffentlichungswürdig“ sind. Ich finde es in Anbetracht der Tat weiterhin schockierend und hoffe, die Opfer können diesen (wenig aussagekräftigen) Beitrag nicht lesen.
    Vielleicht verstehe ich auch den Sinn dieser Art von Beiträgen einfach nicht- und es geht hier wirklich um „Interpretationen“? Dann sollte man die Rubrik aber m.E. nennen und „Leseanleitungen“ (zum Verständnis) hinzufügen. Vielleicht steckt auch einfach kein tieferer Sinn hinter diesen Veröffentlichungen, sondern Gefangene – egal aus welchen Gründen – sollen einfach zu Wort kommen? Wie auch immer, für mich ist dieser Beitrag einfach nicht einzuordnen, noch, warum er veröffentlicht wird.

  4. Liebe Frau Sinnhaus,

    ja, letztlich ist es genau das: Wir wollten mit der Aktion, die Frauen in den US-Todestrakten anzuschreiben, diesen eine Stimme geben – eine Möglichkeit, genau das zu äußern, was sie mit uns und mit der Öffentlichkeit teilen möchten. Und ja, der Rest ist Spekulation, ohne konkrete Äußerungen und Erklärungen von – in diesem konkreten Fall – Tiffany Cole. Wir haben jedem Beitrag, den wir erhalten haben, ein paar Informationen oder Gedanken von uns beigefügt – die Beiträge der Frauen stehen jedoch für uns im Mittelpunkt. Insofern halten wir die Bezeichnung der Rubrik „Stimmen aus dem Todestrakt“ für angemessen. Eine umfassende Darlegung oder Beurteilung des jeweiligen Falles durch uns war und ist an dieser Stelle weder beabsichtigt noch möglich. Allerdings möchten wir durchaus dafür sensibilisieren, Menschen nicht auf ihre Taten zu reduzieren, sondern – wenn wir keine entsprechenden Äußerungen diesbezüglich haben – auf die Möglichkeiten verweisen, dass Menschen sich ändern und bereuen können. Was würde sich für Sie ändern, wenn Tiffany Cole öffentlich Reue ausdrücken würde? Würde es an Ihrer Sicht über sie etwas ändern? Oder würden Sie bei Ihrem Bild von ihr bleiben und sagen: Das glaube ich ihr nicht! Vermutungen diesbezüglich wären wieder nur Spekulation meinerseits, das weiß ich. Deshalb sind die Fragen auch nur als das zu verstehen, was sie sind – offene und neutrale Fragen… Die Sie uns natürlich nicht beantworten müssen.

    Viele Grüße,
    Gabi Uhl

Kommentar

Ihre Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.